Welcome to my world

Wer durch Neuseeland reist hat mehrere Möglichkeiten um von einem Ort zum Nächsten zu kommen. Neben dem Mietwagen oder dem Mietcamper bieten sich zu Lande auch die Fernbusse an. Und mit etwas Glück bekommt man neben dem Ausblick auf die wundervolle Landschaft auch einen Einblick in die wunderbare Lebenshaltung der Kiwis.

Um 9:15 Uhr soll der InterCity Coach nach Picton in Nelson abfahren. Nach drei Tagen in der hübschen Kleinstadt und im Abel Tasman National Park soll es nun also zum Fährhafen der Südinsel und von dort weiter zur Hauptstadt Wellington und damit auf die Nordinsel gehen. Vorher will ich aber noch eine Postboot-Tour durch die Marlborough Sounds machen. Und dazu muss ich heute Morgen also nach Picton. Mit dem Bus der InterCity, dem größten Fernbusunternehmen Neuseelands. Ich bin die ganze Strecke von Dunedin hier hoch schon mit ihnen gefahren und es war immer gut organisiert. So auch heute. Der Bus fährt pünktlich vom Busbahnhof in Picton ab und der Fahrer, sie sind hier immer auch ein wenig Reiseführer und für die Unterhaltung zuständig, begrüßt uns freundlich über das Mikrofon und wünscht uns eine gute Reise.

Aber Neuseeland wäre nicht Neuseeland, wenn neben der Pünktlichkeit nicht auch noch Platz für Improvisation wäre. In diesem Fall heißt das, dass der Fahrer über sein Mobiltelefon die Information bekommt, ein paar Fahrgäste einige Straßen weiter aufzunehmen, Bushaltestellen sind ein Kann, aber kein Muss. Also steuert unser Fahrer sein Gefährt in einen kleinen Vorort von Nelson und findet am Straßenrand auch leicht zwei Personen samt allerlei Gepäckstücken und Tüten. Wir halten an und nach einem etwas längeren Gespräch mit dem Fahrer beginnen die Beiden, eine junge Frau und ein etwas älterer Mann, ihr Gepäck und die zahlreichen Tüten auf äußerst komplizierte und zeitraubende Art und Weise in den Bus zu bringen. Dass Beide dabei ununterbrochen telefonieren trägt ebenfalls nicht zur zügigen Abwicklung der Beladung des Busses bei. Und nein, die Sachen sollen nicht einfach in die Gepäckfächer unten im Bus, nein, sie sollen in die Kabine. Alle. Und zumeist einzeln getragen, da die zweite Hand ja für das Telefonieren benötigt wird. Das dauert seine Zeit.

Aber nach knapp 20 Minuten ist es geschafft, das ganze Plunder ist im Bus und auch eine der zwei Personen. Der Mann steht aber vor der Tür und tut, na was wohl? Er telefoniert. Und beginnt nun auch wieder mit dem Fahrer zu sprechen. Nach einigen Minuten stellt sich so heraus, dass die Beiden wohl doch im falschen Bus sitzen, vermutlich weiß nur der Herr im Himmel, wohin die Beiden wirklich wollen. Auf jeden Fall aber, so der aktuelle Stand der Dinge, nicht nach Picton. Das wäre soweit schon tragisch genug, aber nun muss nicht nur die etwas desorganisierte Frau wieder raus aus dem Bus, sondern mit ihr auch das ganze, nennen wir es einmal höflich, Gepäck. Und raus kommt es wie rein kam: Eine Hand am Telefon und mit der Anderen jedes Stück einzeln wieder an den Straßenrand schaffend und sich dabei, welch Wunder, dauernd im Mittelgang im Wege stehend. Aber auch das ist nach weiteren 20 Minuten geschafft, die Beiden stehen jetzt samt ihrem ganzen Plunder wieder so am Straßenrand, wie wir sie dort vor knappen einer Stunde vorgefunden haben.

Der Fahrer schließt nun die Tür, setzt seinen Bus wieder in Bewegung, greift zum Mikrofon und begrüßt die Reisenden zum zweiten Mal an diesem Morgen, diesmal mit den Worten beginnend: „Welcome to my world!“ Er nimmt es einfach mit ansteckendem Humor, und so regt sich keiner im Bus wirklich über die schräge Nummer mit den beiden schrägen Vögeln auf. Denke ich Deutschland …

(c) Cpt. Joe

Und hier geht es zur Reisevorbereitung Neuseeland.



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