Wann, wie und was in Angkor besuchen

Die Tempelstädte von Angkor Wat, Angkor Thom, Ta Prohm und Co. sind Pflicht in Kambodscha. Ich habe sie 2015 sogar zum zweiten Mal besucht. Hier gibt es praktische Tipps wann, wie, wie lange und welche Tempel besucht werden können. Und natürlich die Bilder der Tempel der historischen Khmer-Reiche.

Die drei oben genannten Tempelstädte sind wohl das absolute Minimum für einen Besuch. Mehr geht natürlich, und jeder Besucher sollte selbst entscheiden, welche Sehenswürdigkeiten er besucht. Für den Einstieg stelle ich diese drei Tempelstädte hier kurz vor.
IMG_3705Angkor Wat
IMG_3733Angkor Thom (mit dem Bayon)

IMG_3763Ta Prohm

Sie sind die wohl berühmtesten Tempelstädte in dem archäologischen Park von Angkor. Zusammen mit den Tempeln von Phnom Bakheng, Thommanon und Chao Say Tevoda, Ta Keo, Banteay Kdei und Srah Srang bilden sie den kleinen Rundkurs.

Bevor es aber losgeht solltest Du vier Fragen beantworten. Wann, wie und wie lange will ich welche Tempel besuchen?

Wann:
Bei der Planung musst Du das Klima in Kambodscha und Deine persönliche „Hitzebständigkeit“ berücksichtigen. Die beste Reisezeit ist die trockenen Jahreszeit.
Im November und Dezember ist diese mit ca. 30 Grad am angenehmsten, dann steigen die Temperaturen bis Ende April kontinuierlich an. Entsprechend proportional sinken dann zwar die Besucherzahlen, aber wegen der schieren Massen hat man die Tempel eigentlich nie für sich.

Wie:
Der archäologische Park von Angkor beginnt ca. 6 Kilometer von Siem Reap entfernt und ist sehr weitläufig. Mit einem tageweise gemieteten Tuk Tuk triffst Du, insbesondere mit einer Gruppe bis zu 4 Personen, immer eine gute Wahl.
Der Preis hierfür sollte nicht mehr als ca. 15 USD pro Tag betragen, für die weiter entfernten Tempel wie den Banteay Srei wird etwas mehr fällig. Reine Motorradtaxis sind mit etwa 10 USD pro Tag etwas preiswerter.

Fast jedes Hotel bietet auch Mietfahrräder an. Diese sind eine gute Alternative für hitzebeständige Besucher des kleinen Rundkurses.
Wichtiger Tipp: Unbedingt ausreichend Wasser mitnehmen bei der Radtour und kräftig Sonnencreme auftragen.

Ein ausgebildeter und lizensierter Führer verlangt ca. 20 USD pro Tag. Die Führungen werden in verschiedenen Sprachen angeboten und bieten einen guten Einblick in die (Kunst-) Geschichte von Angkor.

Wie lange und welche Tempel:
Es gibt personalisierte Tickets mit Foto für:
– 1 Tag (20 USD)
– 3 Tage (40 USD)
– 7 Tage (60 USD)
Die Tickets gibt es an zwei Eingängen gegen Bargeld. Akzeptiert werden US-Dollar, Kamdodschanischer Riel, aber auch Thai Bath und Euro.
IMG_3873Drei Tage sind für Nicht-Archäologen die Obergrenze. Dann ist man ob der Flut der Eindrücke übersättigt und kann die Kulturschätze nicht mehr gebührend würdigen. Der englische Ausdruck hierfür ist „templed out„, und so ist es auch mir bei meinem ersten Besuch ergangen. Ein Tag dagegen ist wirklich knapp, weil es dann einfach so viel zu verpassen gibt. Meiner Meinung nach sind zwei Tage optimal.

Gute Empfehlungen für die Dauer und welche Tempelstädte in dieser Zeit zu schaffen sind gibt es auf Wikivoyage.

Zur Vorbereitung auf den Besuch hat man die Auswahl aus einer schier zahllosen Literaturliste oder man schaut erst einmal bei Wikipedia vorbei.

Die Tempelstädte der Khmer-Reiche entstanden zwischen dem 8. und dem 13. Jahrhundert. Da fast jeder Khmer König einen oder mehrere Tempel bauen oder aus- und umbauen ließ, gibt es aus dieser Zeit ca. 1.000  bis heute wieder entdeckte Tempel.

Die Mehrzahl sind hinduistischen Göttern gewidmet, ab dem 12. Jahrhundert aber auch dem dann zur Staatsreligion erhobenen Buddhismus. Über alle Epochen beeinflusste auch der animistische Ahnenkult in Verbindung mit Hinduismus und Buddhismus die Tempel maßgeblich.

Dieses „cross over“ zwischen Religion und Ahnen- und Geisterglauben prägt die Gesellschaften Südostasiens übrigens bis heute. Sowohl Hinduismus als auch Buddhismus zeichen sich, wie auch die erfolgreichen Religionen des Orients und des Westens dadurch aus, dass sie die animistische Elemente ihrer historischen Vorgänger erfolgreich integrierten und umdeuteten.
Ein weithin sichtbares Zeichen dafür sind die in Kambodscha und vor allem in Thailand verbreiteten Geisterhäuser.

Populär in der westlichen Welt wurden die Tempel von Angkor durch die mit detailreichen Zeichnungen illustrierten Berichte des Franzosen Henri Mouthot aus dem 19. Jahrhundert. Zu dieser Zeit war Kambodscha französiches Protektorat und gehörte damit faktisch zu dessen Kolonialreich Indochina.

Angkor Wat

Der Angkor Wat ist der besterhaltene und damit poulärste Tempel. In 37 Jahren  im 12. Jahrhundert unter Suryavarman II. erbaut und dem hinduistischen Gott Vishnu gewidmet, ist er auch der größte Tempel Angkors.
Umgeben von einem Wassergraben, der den Urozean symbolisiert, beherbergt er im inneren 5 nach Lotusblüten geformte Türme. Diese symbolisieren den Berg Meru, welcher der Mittelpunkt der Welt und Sitz der Götter ist.

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Die fünf Türme des Angkor Wat

Apsaras, die himmlischen Tänzerinnen, und Devatas, weiblichen Schutzgottheiten, finden sich überall in den Tempeln. Insbesondere die anmutigen Apsaras zählen zu den populärsten gegenständlichen Darstellungen in den Tempeln und prägen zusammen mit den Türmen des Angkor Wat heute das Bild von Kamdodscha in der Welt.

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Steinrelief mit Apsara Tänzerinnen

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Äußere Anlage des Angkor Wat

Innenhof des Angkor Wat

Geschmückte Buddhastatue im inneren Säulengang des Angkor Wat

Turm des Angkor Wat

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Blick vom Innenhof auf die zentrale Tempelanlage der Stadt

IMG_3624Seit 1995 unterstützt das Auswärtige Amt die Konservierungsarbeiten der Fachhochschule Köln am Angkor Wat.

IMG_3682Hier noch ein praktischer Tipp: Die Treppen in den Tempeln sind steil mit schmalen Stufen. An einigen Stellen gibt es für die heutigen Besucher nachträglich angebaute Treppengeländer.

IMG_3673Zusätzlich hat man an wenigen Stellen komfortablere moderne Treppen über die historischen Treppen gebaut, sodass in der Neuzeit auch ungeübte Kletterer „den Berg Meru“ erklimmen können.

Angkor Thom mit dem Bayon

Die große Hauptstadt, so die Übersetzung von Angkor Thom, wurde Ende des 12. und zu Beginn des 13. Jahrhunderts von Jayavarman VII. als neue Hauptstadt des Angkorreichs errichtet.
In seinem Inneren liegt der Staatstempel Bayon mit den charakteristischen Gesichtstürmen. Diese steinernen Gesichter sind weltweit bekannt als das „Lächeln der Khmer“.
Ob sie das Gesicht des Königs darstellen ist bis heute nicht eindeutig geklärt, wird aber vermutet.

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Gesicherturm im Bayon

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Das steinerne Lächeln der Khmer …

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… blickt die Besucher hier von überall her an

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Steinrelief in Angkor Thom

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Äußerer Säulengang in Angkor Thom

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Geschmückte Buddhastatue im Säulengang von Angkor Thom

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Reste der Außenanlage von Angkor Thom

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Die Außenanlage von Angkor Thom leider nur noch in zum Teil, allerdings mit wunderschönen Fragmenten, erhalten

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Der Bayon im Inneren ist dagegen deutlich besser erhalten

Ta Prohm

Neben dem Angkor Wat ist der Ta Prohm sicher der berühmteste Tempel von Angkor – er diente als Kulisse für Tomb Raider mit Angelina Jolie. Warum sich Regisseur Simon West und seine Crew gerade diesen Tempel aussuchten ist klar: Nirgendwo holt sich die Natur so eindrucksvoll die Bauwerke zurück in den Dschungel wie hier. Die Wurzeln stützen und zerstören den Tempel gleichermaßen. Aber auf lange Sicht wird die Natur die Überhand zurück gewinnen.
IMG_3763Und genau darin liegt für das indisch-kambodschanische Konservierungssteam die Herausforderung: Den Tempel erhalten und gleichzeitig den Dschungel darin zu belassen. 2015 wurde der zentrale Tempelkomplex technisch aufwendig restauriert und konserviert.

IMG_3770 Wie der Angkor Thom wurde der Ta Prohm im späten 12. und frühen  13. Jahrhundert unter der Regentschaft von König Jayavarman VII. errichtet und hieß ursprünglich „Rajavihara“ – das königliche Kloster. Obwohl ein Buddhischer Tempel finden sich in Ta Prohm eine Vielzahl von Darstellungen aus der Hinduismus und damit ist er wie viele der Tempelanlagen in Angkor ein Beispiel für den Synkretismus der damaligen Khmer-Bevölkerung.

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Noch stützen die Wurzeln der Würgefeige die Mauern, aber auf die Dauer werden sie sie auseinander brechen

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Hier hat der Baum die Oberhand gewonnen

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Gut erhaltener Torbogen im Ta Prohm

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Ein Gesicht lugt durch die Wurzel

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Restauration und Verfall sind im Ta Prohm nur Schritte voneinander entfernt

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Wer gewinnt hier wohl

Doch genau dieser morbide Charme ist es, der den Ta Prohm für viele Besuche zur eigentlichen Hauptattraktion des historischen Parks macht.

Banteay Srei

Der Banteay Srei liegt etwas entfernter und stammt aus der Mitte des 10. Jahrhundertes. Aufgrund seiner Ornamentik gilt er als einer der kunstvollsten Tempel (Fotos Banteay Srei: Sven Selle).

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IMG_0521Abschließend gibt es hier noch ein paar Literatur- und DVD-Tipps für die Tempel von Angkor:
Angkor von Marilla Albanese
Reise Know-How CityTrip Angkor und Siem Reap: Reiseführer mit Faltplan
Angkor von Vibke Lobo und Jaroslav Poncar
Kambodscha – Faszinierendes Reich der Khmer [2 DVDs]

Tipps für die Anreise nach Siem Reap, der „Schlafstadt“ für die Tempelbesucher und zu Unterkunft und Gastronomie dort gibt es -> hier.

Generelle Tipps für die Reisevorbereitung Kambodscha gibt es -> hier.

(c) Joe 2015



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